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Nala

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Phantarch
Phantarch
ich weiß nicht ich find bei dir keine kritik weil ich so wenig erfahrung hab. ich denke das kommt mit der zeit. bis dahin ist alles zwischen gut und fantastisch/wundervoll oder spannend angsteinjagend oder ähnliches

Rahena

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Phantarch
Phantarch
xD
Die zweite Hälfte:

Wir schwiegen beide eine Weile. Stefan sah auf den Boden zwischen seinen Füßen und ich blickte das Häufchen Elend an, das mir gegenüber saß. Ohne wirklich zu wissen, was ich tat, stand ich auf, ging die zwei Schritte zu ihm rüber, setzte mich auf die Armlehne seines Sessels und nahm ihn vorsichtig in die Arme.
„Weißt du, dass du mir grade einen Herzenswunsch erfüllst?“, fragte er mit flüsternder, zittriger Stimme.
Ich nickte. „Deswegen habe ich es getan.“ Ich ließ ihn los und sah Tränen in seinen Augen glänzen. Ich räusperte mich und setzte mich zurück auf das Sofa und zog die Knie an den Körper. Irgendwie war es schon merkwürdig. Ich war nie ein Mädchen gewesen, das Fremde wie beste Freunde behandelte und doch hatte ich grade einen völlig Fremden umarmt. Ich hatte das Gefühl, ich würde ihn schon mein ganzes Leben kennen.
„Wie hast du Mom kennengelernt?“, fragte ich, um ein anderes Thema anzusprechen.
Er sah mit gerunzelter Stirn zu mir hoch. „Willst du das wirklich wissen?“
Ich nickte.
„Ich glaube nicht, dass deine Mom gewollt hätte, dass ich dir das erzähle, denn die Geschichte handelt nicht nur von ihr und mir.“
„Sie hat auch nicht gewollt, dass ich dich sehe“, erwiderte ich. „Und jetzt bin ich hier.
„Sie muss es schon gewollt haben, schließlich sollte Mathias dich zu mir bringen.“
„Nein“, widersprach ich. „Eigentlich wollte er mich mit zu sich nehmen, aber als er starb dachte er wohl, dass ich bei dir sicherer wäre.“
„Er dachte es nicht nur“, entgegnete Stefan. „Er hat gewusst, dass ich dich am besten beschützen kann. Er wusste, dass ich meine Familie trotz allem liebe und dass ich im Notfall alles für dich geben würde – und auch für Lyla gegeben hätte. Du kannst dich bei mir sicher fühlen. Ich weiß, was ich tu, ich bin Polizist.“
Ich nickte lächelnd.
„Mathias war ein Kollege von mir – und ein sehr guter Freund.“
„Moment“, unterbrach ich ihn. „Wusste meine Mom, dass ihr Freunde wart?“
Er nickte verwirrt. „Natürlich.“
„Warum hat sie dann ihn beauftragt, sich um mich zu kümmern? Sie wollte mich doch von dir fern halten, aber wenn sie wusste, dass Mathias dein Freund war…“
„Mathias war ihr engster Vertrauter“, stoppte er meine Überlegungen, „trotz der Entfernung. Sie kannte ihn seit ihren Anfängen in der Organisation. Sie hat ihm blind vertraut, egal was war. Über ihn habe ich sie erst kennengelernt. Und selbst während unserer Beziehung hätte sie Mathias, glaube ich, mehr vertraut als mir. Ich denke, er war der einzige, der alles wusste, was deine Mutter gewusst hat. Wir müssen quasi bei Null anfangen, wenn wir wissen wollen, wer hinter all dem steckt.“
„Du hilfst mir also herauszufinden, wer meine Mom… ermordet hat?“, fragte ich hoffnungsvoll. Bei dem Wort ‚ermordet’ bildete sich wieder ein dicker Kloß in meinem Hals, den ich vergeblich runterzuschlucken versuchte.
Er nickte, schüttelte dann aber milde lächelnd den Kopf. „Ich werde es herausfinden, das ist mein Job“, sagte er dann. „Aber du wirst mit der Sache nichts zu tun haben. Das könnte viel zu gefährlich werden – nein, es wird zu gefährlich. Deine Mom hat sich mit Leuten angelegt, wie sie sonst nur in übertriebenen Gangster-Actionfilmen vorkommen.“
Ich wollte meinem Vater grade widersprechen, da hörte ich leise schlurfende Schritte hinter mir. Ich drehte mich ruckartig um, gefasst darauf, den Lauf einer Waffe auf mich gerichtet zu sehen. Das Mitleid erregende Etwas, das um die Ecke gelatscht kam, war aber niemand anderes als Jonas. Die nassen Haare klebten strähnig an seinem Kopf. Mir machte dieser Augenblick auf der Stelle klar, dass ich tatsächlich an Verfolgungswahn litt.
„Geht es dir etwas besser?“, fragte Stefan sanft.
Erst reagierte Jonas nicht, doch dann nickte er langsam und kaum wahrnehmbar. Man konnte ihm nicht glauben.
„Komm zu mir“, forderte ich ihn auf. Als er neben mir saß, legte ich meine Arme um ihn. Ich hatte ihn trösten wollen, doch er starrte nur ins Leere und anstatt dass es ihm besser ging, fühlte ich mich jetzt immer schlechter. Mir stiegen wieder die Tränen in die Augen. Ich wusste genau, wie Jonas sich jetzt fühlte. Sicher glaubte er grade, zu träumen und jeden Moment in die erlösende Realität aufzuwachen. Mir war es bis vor ein paar Stunden noch genauso gegangen. Ich hatte mir mit aller Kraft gewünscht, aufzuwachen und doch hatte ein Teil meines Unterbewusstseins mit unerschütterlicher Sicherheit gewusst, dass ich das nicht konnte.
Stefan stand ohne ein Wort auf. Neben dem Sofa, auf dem wir saßen, blieb er kurz stehen. Er legte mir die Hand auf die Schulter und drückte kurz zu. Dann strichen seine Finger mir tröstend über den Rücken und er ging aus dem Zimmer. Es war unglaublich, welchen Trost diese flüchtige Berührung spendete. Zum ersten Mal, seit ich bei Deans Party abgehauen war, hatte ich das Gefühl, dass ich nicht allein war, dass jemand für mich da war, dass ich geliebt wurde.
Ich hörte Stefan im Nebenraum rumoren. Ich lehnte mich zurück und zog Jonas mit mir, der dies einfach über sich ergehen ließ – wie eine Puppe. Ich besann mich darauf, dass ich ihn ja eigentlich hatte trösten wollen und ließ meine Hand so über seinen Rücken streichen, wie Stefan zuvor seine über den meinen.

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Nala

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Phantarch
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ich war wieder einmal kurz vorm heulen... Crying or Very sad

Rahena

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Phantarch
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Very Happy

12
10. März, 13:15 Uhr

Der Geruch von Essen stieg mir in die Nase und jetzt fiel mir auch wieder ein, wie hungrig ich war. Auf der gesamten Reise hatte ich nichts gegessen – außer einem labberigen Sandwich, das meinen Hunger eher angeregt als gestillt hatte. Mein Bauch meldete sich knurrend zu Wort.
Ich hörte, wie sich eine Tür geräuschvoll öffnete, dann sah ich Stefan gekonnt drei Teller mit dampfenden Spaghetti in Richtung des kleinen Esstisches neben dem Fernseher balancieren.
„Ich dachte mir, du hast bestimmt Hunger“, erklärte er. Zur Antwort knurrte mein Magen wieder. Er grinste. Ich stand auf und zog Jonas mit nach oben. Dann legte ich ihm einen Arm um die Schultern und führte ihn zum Tisch.
Wir setzten uns und begannen schweigend zu essen. Ich stopfte die Nudeln förmlich in mich hinein. Ich bemerkte dabei aus dem Augenwinkel, dass Jonas nur lustlos in seinem Essen herumstocherte und nur ganz selten die Gabel zum Mund führte. Als ich ihn so sah, verging auch mir beinahe der Appetit und ich aß für einen Moment langsamer.
„Darf ich dich was fragen?“, bat mich Stefan.
Ich nickte.
„Woher kannst du so gut deutsch?“, erkundigte er sich lachend.
„Von meiner Mom. Sie hat es mir von klein auf beigebracht. Wenn wir alleine waren, hat sie immer deutsch mit mir geredet. Sie meinte, dass ich die Sprache, die mir von der anderen Seite der Familie gegeben war, auch sprechen sollte.“
„Oder sie wusste, dass sie dich irgendwann herschicken müsste, wenn sie auffliegen würde, und hat dich darauf vorbereitet“, warf Stefan ein.
Ich lachte. Dann wurde ich wieder ernst. „Für wen hältst du sie? Eine Hellseherin?“
Er zuckte übertrieben die Schultern. Wir lachten wieder leise.
„In der Schule habe ich dann einen Deutschkurs belegt“, fuhr ich fort. „Da war ich die beste. Aber ich habe viel dazugelernt, weil meine Mom ja auch nicht perfekt gesprochen hat.“
Er nickte grinsend. „Sie wollte sich auch nichts beibringen lassen.“ Er lächelte abwesend beim Gedanken an meine Mutter. „Erzähl mir etwas von dir“, forderte er mich nach einiger Zeit auf. „Schließlich habe ich viel nachzuholen. Ich wäre dir gern ein besserer Vater gewesen und hätte an deinem Leben teilgehabt. Mehr als nur durch diese Fotos. Erzähl mir alles.“
Ich legte die Gabel beiseite und begann zu reden. Ich erzählte von der Schule, von meiner Klasse, dass ich eigentlich kurz vor dem Abschluss stehen würde, das jetzt aber vergessen könnte, wenn ich noch lange hier blieb. Ich erzählte ihm von Holly. Als ich das tat, wurde meine Stimme immer leiser, bis sie schließlich ganz versagte und in ein leises Schluchzen überging. Ich dachte daran, dass ich meine beste Freundin hatte verlassen müssen, ohne ihr erklären zu können, warum. Sie würde sich ganz sicher Sorgen machen, wenn sie die Polizei vor meinem Haus sehen würde und mich nirgends finden könnte. Vielleicht würde sie denken, ich hätte wegen der Sache mit Dean etwas Dummes getan – würde Holly mir Selbstmord zutrauen?
Nach kurzer Zeit hatte ich mich wieder unter Kontrolle, doch als ich Stefan von meiner Mom erzählte, liefen mir wieder die Tränen über die Wangen. Ich merkte es erst, als Stefan mich unterbrach: „Du musst nicht über Lyla reden, wenn es nicht geht. Ich verstehe das.“
Ich wischte die Tränen weg. „Du wolltest alles über mein Leben wissen“, erinnerte ich ihn mit mühsam beherrschter Stimme. Dann redete ich weiter. Ich war mit meinen Erzählungen bei dem Tag angelangt, an dem meine Mom gestorben war.
„Moment mal“, redete Stefan dazwischen, als ich erzählte, warum ich erst mitten in der Nacht nach Hause gekommen war. „Wer war noch mal Dean?“
Ich spürte förmlich, wie ich errötete und blickte nach unten. Dann erzählte ich ihm alles. Wie ich Dean das erste Mal gesehen hatte, als er in der achten Klasse an meine Schule gekommen war und gleich viele Kurse mit mir zusammen belegt hatte und ich mich auf den ersten Blick in ihn verliebt hatte, mich aber bis heute nie getraut hatte, es ihm zu sagen. Dass ich mir ernsthaft Hoffnungen gemacht hatte, bei seiner Party endlich bei ihm landen zu können, aber dass ich wohl nie gut genug für ihn wäre, weil seine Freundinnen immer absolute Schönheiten waren.
Erst als ich alles erzählt hatte, fragte ich mich, warum ich das eigentlich getan hatte. Warum war ich nur so hoffnungslos ehrlich zu ihm gewesen? Es wäre keine Lüge gewesen, einige pikante Details für mich zu behalten. Fing ich jetzt schon an, ihn sogar besser zu behandeln als einen ‚richtigen’ Vater? Lag es daran, dass ich ihn noch nie gesehen hatte und das dadurch wieder gut machen wollte, indem ich ihm nichts – aber auch gar nichts – verschwieg?
Nicht nur, dass ich ihn wie einen Vater behandelte, jetzt schien er sogar schon anzufangen, sich wie einer zu benehmen. „Ich glaube nicht, dass du nicht gut genug für ihn bist“, sagte er. „Eher bist du zu gut für ihn. Ich kenne ihn zwar nicht, aber nach dem, was du mir erzählt hast, scheint er zu oberflächlich zu sein.“
Ich antworte nicht, sondern aß schweigend meine mittlerweile kalten Spaghetti weiter. „Jetzt bist du dran“, forderte ich ihn auf, als der Teller leer war.
Er sah mich nur verständnislos an.
„Erzähl mir alles, was du über den Mord an meiner Mom weißt.“
„Das ist nicht mehr, als du eh schon weißt“, wich er aus. „Mathias hat mehr gewusst als ich, da bin ich sicher. So wie ich Lyla kenne, hat sie ihm alles erzählt, was sie wusste.“
Jonas zuckte zusammen, als er den Namen seines Vaters hörte.
„Sie hat geschrieben, sie wüsste nicht genau, wer es war“, berichtete ich. „Nur dass sie in letzter Zeit von einer anderen Organisation verfolgt wurde.“
GRA“, flüsterte Stefan. Auf meinen fragenden Blick erklärte er: „Das ist eine Organisation, mit der Lyla in der Vergangenheit schon öfter Probleme hatte. Vielleicht sollte ich dir doch erzählen, wie ich sie kennengelernt habe.“ Er seufzte. „Es war vor ungefähr zwanzig Jahren. Lyla war hier in Deutschland, lebte für einige Monate bei Mathias und arbeitete mit ihm, um die GRA auszuspionieren, denn obwohl sie international agieren, sind ihre Zentrale und ihr Ursprung in Deutschland. Lylas Organisation, die AIR-CW, arbeitet eng mit der deutschen Polizei zusammen, deshalb wurde ihr von Anfang an ein Partner von uns zugeteilt. Am Anfang hatte ich gedacht, sie wäre Mathias’ Freundin. Ich muss zugeben, dass ich in der Zeit ziemlich eifersüchtig auf ihn war, denn ich hatte mich auf den ersten Blick in die schöne Amerikanerin verliebt.“ Er lächelte abwesend. „Als Mathias mir dann erklärte, dass sie nur beruflich bei ihm wohnte und er eine ganz andere liebte, dauerte es nicht lange, bis Lyla und ich uns näher kamen. Zunächst wusste ich nicht, was ihr Beruf war, aber als sie bei der GRA aufflog, beichtete sie es mir und erklärte, dass sie nun nach Amerika zurück müsste. Ich wollte sie nicht verlieren und fasste schnell den Entschluss, mit ihr zu gehen. Die AIR-CW verwischte unsere Spuren und ich begann ein neues Leben in Amerika.“
„Und du meinst, dass diese Organisation“, führte ich seine Andeutungen weiter, „die GRA. Dass die…“
„Dass die sie irgendwie gefunden haben und sich gerächt haben für was auch immer damals vorgefallen ist“, ergänzte Stefan meinen unbeendet im Raum stehenden Satz. „Ja, das glaube ich. Aber ich kann es natürlich nicht mit Sicherheit sagen, es ist nur eine Vermutung.“
„Hast du sie nie gefragt, warum sie plötzlich fliehen musste?“
„Doch, aber sie wollte es mir nicht sagen und deswegen habe ich auch nicht weiter danach gefragt.“
„War sie nicht noch zu jung für so was?“
„Wieso?“, fragte er irritiert zurück. „Sie war neunzehn und ich zwanzig. Nichts Ungewöhnliches in dem Alter, sich zu verlieben und miteinander durchzubrennen, oder nicht?“
Ich schüttelte den Kopf. „Das meine ich nicht. Sie war neunzehn und wurde ins Ausland geschickt, um einen so gefährlichen Job zu machen?“
„Ein Auslandseinsatz gehörte zu ihrer Ausbildung“, erklärte mein Vater. „Mathias war damals auch erst zweiundzwanzig, aber er war nicht ihr einziger Partner, denn auch er steckte noch in der Ausbildung. Es waren noch zwei erfahrene Kollegen dabei, einer aus Amerika und einer von hier. Lyla und Mathias sollten von der Ausbildung an als Team eingespielt werden, um sich im Ernstfall voll und ganz aufeinander verlassen zu können.“

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Nala

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sehr schön geschrieben Very Happy Wink

Rahena

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13
11. März, 10:47 Uhr

Ich lag lang ausgestreckt auf dem großen Bett in Stefans Gästezimmer und starrte an die weiße Decke. Zwischen den Fingern drehte ich den kleinen goldenen Anhänger meiner Kette hin und her. Meine Mom hatte mir die Kette noch vor wenigen Wochen zum Geburtstag geschenkt. Da war noch alles in Ordnung gewesen. Meine Fingerspitzen ertasteten die raue Oberfläche des verschnörkelten Schmuckstücks. Dicke, ineinander gewundene Stränge umschlangen einen von silbernen Steinchen besetzten Stern.
Ich dachte an meine Mom und an den Moment, in dem ich die Kette ausgepackt hatte. Ich hatte erst den Schmuck, dann meine Mutter mit großen Augen angesehen. Ich hatte nicht glauben können, dass sie mir etwas so wunderschönes schenkte. Sicher war es sehr teuer gewesen.
Das laute, energische Klopfen an der Tür unterbrach meine Gedanken. Die Tür wurde langsam aufgeschoben und Stefan steckte seinen Kopf durch den Spalt.
„Bist du so weit?“, fragte er.
Ich nickte während ich aufstand. Ich hatte mich nach dem Frühstück noch kurz hingelegt. Jetzt wollte Stefan mit mir einkaufen gehen, denn ich hatte ja nichts hier, außer den Sachen, die ich am Körper trug – und die waren eindeutig zu dünn für das deutsche Märzwetter.
Ich folgte meinem Vater die Treppe hinab. Vor der Eingangstür stand Jonas schon bereit. Er hatte auch bei Stefan geschlafen, weil wir ihn nicht ganz allein in das Haus hatten schicken wollen, an dem so viele Erinnerungen an seinen Vater hingen. Wir hatten ihn in diesem Zustand überhaupt nicht allein lasen wollen.
„Du kommst auch mit?“, fragte ich überrascht. Ich hatte geglaubt, dass er dazu noch nicht in der Lage war. Als er aber zu mir hochblickte, erkannte ich etwas in seinen Augen, dass ich von Anfang an darin vermisst hatte – Leben. Mit dem Tod seines Vaters war auch in ihm ein Teil gestorben, doch er begann, diesen Teil mit einem anderen zu füllen.
„Wir fahren zu Jonas’ Haus und holen ein paar Sachen von ihm“, erklärte Stefan mir. „Er wird dann auch hier wohnen, bis alles vorbei ist.“
Als wir das Haus verließen, sah Stefan als erstes zu dem silbernen Opel, der auf seiner Auffahrt stand und in dem wir angekommen waren. Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Den Wagen müssen wir verschwinden lassen“, sagte er dann. „Ein Auto mit zersprungener Heckscheibe und mehreren Einschusslöchern fällt auf. Ich glaube nicht, dass es im Umkreis von hundert Kilometern noch eins gibt. So finden sie uns in null Komma nichts“
Kurz darauf tauschten er und Jonas den Opel mit Stefans rotem VW, der in der Garage neben dem Haus stand. Ich nahm neben meinem Vater auf dem Beifahrersitz platz, Jonas zwängte sich hinter mich auf die enge Rückbank des Kleinwagens.
Wir fuhren nicht lang, höchstens zehn Minuten, als Stefan vor einem Doppelhaus anhielt. Er bedeutete mir, sitzen zu bleiben und zu warten, während er Jonas half, das Wichtigste aus dem Haus ins Auto zu tragen.
Als sie fertig waren, fuhren wir weiter in die Stadt. Immer noch kam mir alles um mich herum ziemlich unecht vor. Es war nicht lange her, da war mein Leben noch ganz normal gewesen, so wie ich es immer gekannt hatte. Dies hier fühlte sich alles eher wie ein Traum an – nicht grade der schönste Traum, den ich bisher gehabt hatte, absolut nicht, aber nichts desto trotz ein Traum. Ein Alptraum, der sich aber in den letzten Stunden etwas entspannt hatte. Ich hatte einen Blick in die Hölle geworfen und jetzt war der rettende Schutzengel in Gestalt meines Vaters erschienen.

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Nala

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die letzte sätze sind richtig schön geschrieben vorallem das mit dem blick in die hölle

Rahena

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Phantarch
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Danke ^^ Der Teil ist mir ganz spontan eingefallen. Irgendwie sind bei mir die spontansten Ideen immer die besten Wink
Das nächste Kapitel teile ich wieder auf. Und zwar hauptsächlich, um die Spannung zu erhöhen xD Muahahaha xD

14
11. März, 13:03 Uhr

Wir hatten alles Wichtige erledigt. Jetzt saßen wir bei McDonald’s und aßen Mittag. Unter dem Tisch, zwischen unseren Füßen standen einige prall gefüllte Tüten. Wir hatten nur das Nötigste gekauft, aber da ich mich auf einen längeren Aufenthalt einstellen musste, reichten zwei Hosen und drei T-Shirts einfach nicht aus. So hatten wir so viel besorgt, dass ich damit einen ganzen Kleiderschrank würde füllen können. Dazu kamen noch Zahnbürste, Duschgel, Shampoo, alles andere, was ich im Bad und sonst wo brauchte, etwas Schmuck, Schminke… Man glaubt nicht, was man alles benötigt, um ein halbwegs normales Leben führen zu können, bevor man alles davon an einem Tag gekauft hat.
Nachdem ich mir den letzten Rest meines Cheeseburgers in den Mund geschoben hatte, machten wir uns auf den Weg zum Auto. Plötzlich, in einer kleinen, unbelebten Nebenstraße stand er plötzlich vor uns: ein kleiner, dunkelhaariger Mann. Ich hatte mir nie gut Gesichter merken können, und doch musste ich nicht lange überlegen, um in ihm den Mann, der mich am Flughafen angesprochen hatte, zu erkennen.
„Hallo, Sara“, sprach er mich mit einem falschen Lachen im Gesicht an. „So schnell sehen wir uns wieder.“
Ich fragte mich, woher er meinen Namen kannte. Ich konnte mich zwar kaum noch an das Gespräch mit ihm erinnern, war mir aber ganz sicher, ihm niemals meinen Namen genannt zu haben.
„Findest du es höflich, mich nicht zu begrüßen?“, fragte er mit hochgezogener Augenbraue und eindeutig gespielter Bitterkeit im Gesicht. Meinen Vater und Jonas schien er gar nicht zu beachten. Mein Blick fiel auf seine rechte Hand, die er in diesem Moment aus der Jackentasche nahm. Darin blitzte schwarzes Metall auf. Stefan musste die Waffe auch gesehen haben, denn er sog zischend die Luft durch die Zähne.
„Wenn du dann bitte ohne Mätzchen mitkommen würdest…“
Ich bewegte mich keinen Zentimeter. Mein Blick lag immer noch wie gefesselt auf seiner Pistole, die jetzt wieder eine kleine unscheinbare Beule unter seiner Jacke war. Stefan schob seinen Körper schützend vor mich.
Jonas stand ein Stück abseits von uns. Als ich ihm einen flüchtigen Blick aus dem Augenwinkel zuwarf, sah ich, dass er sich mit langsamen Bewegungen dem fremden Mann näherte. Er warf mir einen Blick zu, aus dem ich sofort las, dass ich nicht zu ihm hinüber sehen sollte, um den anderen nicht auf ihn aufmerksam zu machen. Es war schon zu spät.
In einer blitzartigen Bewegung drehte sich der kleine Mann zu ihm herum und zog im selben Sekundenbruchteil die Waffe wieder aus seiner Jackentasche. Er drückte ab. Durch den Schalldämpfer der Pistole hörte ich nur drei leise Pfeiftöne, bevor Jonas zusammenbrach. Ich keuchte erschrocken. Vielleicht war es auch ein Schreien, den Unterschied kannte ich in dem Moment nicht mehr.
Die wenigen Sekunden, die der Mann dafür gebraucht hatte, herumzuwirbeln und die Schüsse abzufeuern, hatten Stefan gereicht, seinerseits seine Waffe zu ziehen. Seine Waffe?, dachte ich. Warum hat er seine Waffe dabei? Natürlich war mir klar, dass er als Polizist eine besaß, aber warum hatte er sie mitgenommen? Und warum hatte ich davon nichts mitbekommen? Egal, wichtig war nur, dass er sie jetzt hatte und sie auf Jonas’ Mörder richtete. Und vielleicht auch auf den Mörder meiner Mutter und Jonas’ Vater, fuhr es mir durch den Kopf.
„Waffe runter!“, befahl Stefan in einem Tonfall, der verriet, dass er diesen Satz nicht zum ersten Mal sagte. „Ich bin von der Polizei. Du hast dir die falschen ausgesucht, mein Freund.“
Der Mann starrte meinen Vater nur an. Dann – ganz langsam – senkte er die Hand, die die Waffe hielt.
„Okay. Und jetzt leg sie ganz langsam auf den Boden!“
Dieses Mal tat er nicht, was Stefan von ihm verlangte. Hasserfüllt blickte er zu uns herüber. „Wir kriegen dich früher oder später“, bemerkte er so beiläufig, als hätte er übers Wetter gesprochen. „Wenn nicht ich, dann kommen andere.“ Ich zuckte zusammen und machte erschrocken einen Schritt zurück.
„Sara“, sprach mich mein Vater an, ohne den Mann aus den Augen zu lassen. „Zwei Straßen weiter ist ein Polizeirevier. Sag ihnen, sie sollen jemanden vorbeischicken. Sag, dass ich hier bin.“
Ich konnte mich nicht rühren. Ich konnte ihm nicht einmal antworten. Alles, was ich noch tun konnte, war entsetzt zwischen drei Punkten hin und her zu starren: dem fremden Mann, der Waffe in der Hand meines Vaters und Jonas’ reglosem Körper. Irgendwann bemerkte ich, dass ich aufgehört hatte, meinen Blick zwischen diesen drei Dingen wandern zu lassen. Seit mehreren Sekunden ruhte er jetzt auf Jonas. Ich wollte zu ihm gehen, ihn auf den Rücken drehen, damit sein Gesicht nicht auf dem dreckigen Boden liegen musste. Ich wollte ihn in den Arm nehmen, ihn einfach noch ein letztes Mal berühren. Ich konnte es nicht. Ich konnte mich immer noch keine Millimeter von der Stelle bewegen. Warum musste jeder sterben, der mir etwas bedeutete? Erst jetzt merkte ich, wie sehr ich Jonas gemocht hatte, obwohl ich ihn erst einen Tag gekannt hatte.
„Geh schon!“, brüllte Stefan jetzt. „Hau ab!“
Ich zuckte zusammen, aber sein lauter Befehl – ja, es war schon ein Befehl, keine Bitte mehr – hatte mich in die Realität zurückgeholt. Ich drehte mich um und rannte schnell zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Als ich wahllos links abbog, fiel mir auf, dass mein Vater mir überhaupt nicht gesagt hatte, in welche Richtung ich gehen sollte. Ich beschloss, mein Glück auf die Probe zu stellen und einfach in die Richtung weiter zu rennen, in die ich jetzt schon lief.
Kaum war ich um die Ecke gelaufen, hörte ich erneut ein leises Pfeifen. Es klang so leise und harmlos, und doch war es das schlimmste Geräusch, das ich kannte. Jemand schrie. Ich blieb stehen und wollte mich grade umdrehen, um zu meinem Vater zurückzulaufen, als ich einen lauten Knall hörte. Wieder schrie ein Mann.

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das is voll spannend da hast du recht und ich will die zweite hälfte lesen SOFORT freunde Wink aber ich muss warten Crying or Very sad Rolling Eyes

Rahena

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Das Warten hat ein Ende Wink

Ich hörte die schmerzverzerrte Stimme meines Vaters: „Lauf, Sara!“
Jetzt dachte ich nicht mehr nach, sondern tat, was er mir zugerufen hatte. Ich lief wie nie zuvor in meinem Leben. Ab und zu kamen mir Leute entgegen, die mich nur entgeistert an-starrten, nachdem ich sie halb umgerannt hatte. Ich konnte die Schritte meines Verfolgers jetzt deutlich hinter mir hören – oder bildete ich mir das nur ein? – und das spornte mich an, sogar noch schneller durch die Straßen zu jagen.
Ich kam wieder an eine Kreuzung und wandte mich erneut nach links – einfach aus dem Grund, weil ich Zeit verloren hätte, hätte ich die Straße überquert, um nach rechts abzubiegen. Während ich um die Häuserecke lief, drehte ich meinen Kopf in die Richtung, aus der ich gekommen war – und sah einen kleinen dunkelhaarigen Mann, der in einem unglaublichen Tempo hinter mir her kam. Wenn nicht bald ein Wunder geschah, würde er mich in wenigen Minuten…
Ich kam nicht mehr dazu, den Gedanken zu beenden, denn während ich nicht nach vorne gesehen hatte, war direkt vor mir ein junger Mann aufgetaucht. Entweder hatte er mich auch nicht gesehen, oder er war zu arrogant, um zur Seite zu gehen und mich durchzulassen – zu-getraut hätte ich es ihm, denn alles, was ich im Moment von ihm sehen konnte, war der ele-gante und offensichtlich teure Anzug, den er trug und durch dessen weichen Stoff ich deutlich seine harten Muskeln an meiner Wange fühlte.
Ich spürte, wie der Mann einen Moment mit der Schwerkraft rang, dann schaffte er es, sich in eine halbwegs aufrechte Position zu bringen. Ich stieß mich von ihm ab und murmelte eine Entschuldigung, dann wollte ich an ihm vorbeirennen, doch er hielt mich am Arm zurück. Verzweifelt versuchte ich mich loszureißen.
Ich drehte mich um und sah ich zum ersten Mal ins Gesicht. Die markanten Gesichtszüge und die ockerbraune Haut waren eingerahmt von langen, dunkelbraunen Haaren und einem Dreitagebart. Die ebenfalls dunkelbraunen Augen blickten mich zornig an.
„Was ist?“, fragte er mich. „Warum hast du es so eilig?“ Plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck und er grinste. „Ist es, weil du schnell zu mir wolltest? Jetzt musst du nicht mehr so rennen, du hast mich ja gefunden.“
Ich verdrehte die Augen. „Für so was hab ich keine Zeit“, fuhr ich ihn an. Und Lust hatte ich schon mal gar nicht.
Als hätte er auf dieses Stichwort gewartet, rannte nur wenige Meter hinter uns mein Ver-folger hinter der Hausecke hervor. Als er mich sah, blieb er stehen und richtete seine Waffe auf mich. Zum fünften Mal innerhalb weniger Minuten hörte ich dieses grässliche Pfeifen als er abdrückte. Ich warf mich zur Seite, ging instinktiv hinter dem Mann, den ich angerempelt hatte, in Deckung. Er zuckte im selben Moment wie unter einem Stromschlag zusammen und schrie mit rauer Stimme.
"Mierda!“, fluchte er. Ich wusste weder was es hieß, noch welche Sprache es war, aber dass es ein Fluch war, daran zweifelte ich keine Sekunde. Der Mann presste die rechte Hand auf den kleinen Blutfleck an seinem linken Oberarm.
Dies alles schien nur den Bruchteil einer Sekunde zu dauern, dann schnappte er mein Handgelenk und zerrte mich hinter sich her. Er musste damit seine gute Mühe haben, denn ich war vor Schrecken wie gelähmt.
Nur Sekunden später stand ich vor einem Auto, das am Straßenrand parkte. Auto? Nein, das war schon kein Auto mehr, das war… mehr. Vor mir stand ein in glänzendem Schwarz lackierter, tiefergelegter Sportwagen, der aussah, als wäre er vor zwei Minuten erst aus dem Werk gerollt und ansonsten noch nie gefahren worden. Der junge Mann im Maßanzug hatte einen kleinen schwarzen Gegenstand aus der Tasche gezogen, woraufhin sich die Zentralver-riegelung des Wagens mit einem kurzen Aufblinken der Lichter öffnete. Er ließ mich vor der Beifahrertür stehen und eilte um das Fahrzeug herum, um sich auf den Fahrersitz zu werfen. Währenddessen hatte auch ich meine Erstarrung überwunden, die Beifahrertür geöffnet und mich hineingesetzt.
Noch bevor ich die Tür ganz geschlossen hatte, brüllte der Motor auf und das Auto schoss aus der Parklücke. Der Mann, der neben mir saß, wendete mitten auf der Straße, um meinem Verfolger nicht auch noch entgegenzufahren. Der Wagen wurde immer schneller. Sicherlich fuhren wir schon nach den ersten paar Metern weitaus schneller, als in der Stadt erlaubt war.

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das ist richtig packend gescrieben man will gar nicht auf hören zu lesen. Exclamation

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Haha! Dank dir :-*

15
11. März, 13:56 Uhr

Wir fuhren nicht weit. Nachdem wir einige Male um die Kurve gerast waren, hielt der Wa-gen vor einem Fünf-Sterne-Hotel. Der Mann, dessen Namen ich immer noch nicht kannte, gab mir mit einer kurzen Geste zu verstehen, dass ich aussteigen solle. In der gleichen Bewegung öffnete er seine Tür und schwang die Beine nach draußen. Er drückte einem Hotelangestellten den Schlüssel in die Hand und lief mit weit ausgreifenden Schritten auf die gläserne Eingangstür zu. Ich hatte Mühe, hinter ihm herzukommen ohne zu rennen. Kurz bevor er ein-fach durch das Glas hindurch rennen konnte, öffnete ein weiterer Hotelangestellter die große Tür.
Ich sah, wie der junge Mann an die Rezeption trat und einige kurze Worte mit dem Rezeptionisten wechselte. Als ich ihn erreichte, drehte er sich gerade um und ging zu einem der drei Fahrstühle. Ungeduldig hämmerte er auf dem Knopf, der den Aufzug rief, herum. Auch als die Türen schon anfingen, auseinander zu gleiten, hielt er nicht inne und hörte erst auf, als er sich durch den kleinen Spalt zwischen den beiden Metallplatten hindurchquetschen konnte. Ich trat einen Moment nach ihm in die enge Kabine. Er hatte schon den nächsten Knopf gefunden, auf den er einschlagen konnte: den, der die Türen schloss.
Der Aufzug hielt im sechsten Stock. Wieder eilte ich ihm hinterher, bis er vor der Tür mit der Nummer 612 stehen blieb und den Schlüssel ins Schloss steckte. Die schwere Tür glitt leise auf und schon eilte der Mann weiter. Es wunderte mich, dass er mir in seiner Eile nicht die Tür vor der Nase zuknallte, sondern sie stattdessen sperrangelweit offen stehen ließ und mit einem schweren Seufzen auf einem der beiden riesigen Sessel niedersank. Ich angelte mit der linken Hand nach der Tür und schloss sie ohne wirklich hinzusehen.
Der Mann zog sich mit vorsichtigen Bewegungen und schmerzverzerrtem Gesicht erst sein Jackett aus und knöpfte dann das Hemd darunter auf. Ich sog zischend die Luft zwischen den Zähnen ein, als er seinen linken Oberarm entblößte und ich die stark blutende Schusswunde sehen konnte, die die verschnörkelten Linien eines großen Tattoos brach.
Ich öffnete die Türen des großen Schranks, der wenige Schritte von mir entfernt stand. Ich fand sofort, wonach ich gesucht hatte: einen Erste-Hilfe-Kasten. Ich klappte den Deckel auf und zog eine Mullbinde heraus.
Als ich damit begann, den Arm des Mannes zu verbinden, zuckte dieser unter meiner Be-rührung zusammen und schaffte es nicht ganz, einen Schmerzensschrei zu unterdrücken.
„Tut mir leid“, entschuldigte ich mich und fuhr etwas vorsichtiger fort. Trotzdem stöhnte er vor Schmerz und ich konnte ihn kaum verstehen, als er sich endlich vorstellte: „Mein… Name ist… Pino… Laretti.“ Wieder schrie er vor Schmerz auf.
„Sara Ford“, antwortete ich und knotete die Enden des Verbandes zusammen.
„Was war vorhin los?“, fragte er schon deutlich entspannter, da ich nicht mehr an seinem verletzten Arm herumhantierte. „Wer war der Kerl?“ Als ich nicht antwortete, sondern über-legte, ob ich es ihm erzählen würde – und wenn ja, wie viel ich preisgeben und wie ich es ihm erklären sollte –, redete er weiter: „Weißt du, ich freue mich. Erst läuft mir eine schöne Frau in die Arme, dann steigt sie in mein Auto ein und am Ende sitzt sie mit mir allein in einem Hotelzimmer. Aber ich habe was dagegen, wenn man auf mich schießt!“
Ich seufzte. „Okay, ich erklär dir, was ich weiß. Aber viel kann ich dir auch nicht sagen. Ich weiß selbst nicht, wer der Mann ist und warum er hinter mir her ist. Es fing in der Nacht von Freitag auf Samstag an. Ich war bei einer Geburtstagsfeier und als ich nach Hause kam, fand ich meine Mutter tot im Wohnzimmer.“
Pino sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

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das ist wieder schön geschrieben nur du hast anscheinend wieder die silbentrennung drinne. und mir kommt die frage wer der man ist,was er will und wie er darein gehört?

Rahena

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Ja... war in Eile und hab vergessen, das noch rauszunehmen -.- Jetzt denk ich aber dran:

16
11. März, 18:32 Uhr

Wir hatten mehrere Stunden geredet. Ich hatte Pino die ganze Geschichte erzählt, allerdings hatte ich etwas weniger Details erwähnt, als bei meinem Gespräch mit Stefan über dasselbe Thema. Ich hatte nicht ein Wort über Dean verloren.
Ich hatte nicht nur viel geredet, sondern auch einiges über Pino erfahren. Genau wie ich war er nicht hier in Deutschland geboren. Seine Mutter kam aus Portugal, sein Vater aus Mexiko. Er selbst war in Portugal geboren und hatte fast seine gesamte Jugend bei seinen Großeltern gelebt, die mit ihm nach Deutschland ausgewandert waren, als er vier Jahre alt gewesen war. Seine Eltern schienen sich mehr für Karriere und Geld zu interessieren, als für ihn, trotzdem ließen sie ihm jeden Monat ein mehr als großzügiges Taschengeld zukommen.
Wir hatten uns vom Zimmerservice ein umfangreiches Abendessen bringen lassen. Ich machte mich voller Begeisterung über einen saftigen Braten her. Die Kochkünste meines Vaters hatten sich noch gestern Mittag als eher dürftig herausgestellt. Die Nudeln, die er gemacht hatte, waren viel zu weich gewesen und der Soße hatte Salz gefehlt. Ich war mir sicher, dass er am Abend sogar noch die Sandwiches verbrannt hätte, hätte er in der Küche gestanden und nicht ich. Dieses Essen, das wir in unserer Hotelsuite in uns hineinschaufelten, war hingegen einfach perfekt.
Pino legte sein Besteck zur Seite und sah mich an. Da ich mich voll und ganz meinem Teller gewidmet hatte, spürte ich die Blicke eher, als dass ich sie sah. Doch ich fühlte sie so intensiv, dass ich mich schnell unwohl zu fühlen begann. Ich hielt inne und hob mit vollem Mund den Kopf, um dem Mann auf der anderen Seite des Tisches in die Augen zu sehen.
„Wie soll es jetzt weiter gehen?“, fragte er. Er richtete die Frage nicht direkt an mich. Er warf sie eher in den Raum, so dass ich sie entweder aufsammeln oder unbeachtet liegen lassen konnte. Ich entschied mich für ersteres.
„Ich weiß es nicht“, gab ich zu, nachdem ich das nur dürftig gekaute Essen hinuntergeschluckt hatte. „Ich habe gedacht, es würde reichen, den Kerl zu finden, der meine Mom erschossen hat. Ich dachte, alles Weitere würde sich dann ergeben, wenn ich ihn nur erst einmal gefunden haben würde. Aber als heute Mittag der Mann vor mir stand und Jonas erschossen hat – und mich und meinen Vater auch fast – wurde mir klar, dass ich keine Chance gegen ihn haben würde, dass sich eben gar nichts ergeben würde. Und er scheint nicht allein zu sein, sondern gehört zu einer Organisation. Ich kann wohl niemals sicher sein, dass er es war, genauso wie ich bei niemand anderem jemals sicher sein kann. Vielleicht hängt das auch alles gar nicht zusammen. Vielleicht ist das alles nur ein unglaublicher Zufall.“
„Wenn das ein Zufall war, bist du der größte Pechvogel, den ich kenne.“ Pino grinste.
„Du hast ja recht.“ Ich seufzte schwer. „Aber ich würde es einfach gern glauben. Das wirkt weniger bedrohlich. Ich habe Angst, dass jeder in Gefahr ist, der mit mir zu tun hat. Ich habe Angst um meinen Vater, meine beste Freundin, um D… du weißt schon, was ich meine.“ Beinahe hätte ich mich verplappert und von Dean angefangen, aber das wollte ich nicht. Nein, Pino sollte nichts von Dean wissen, nicht mal, dass es ihn überhaupt gab!
Pino runzelte fragend die Stirn. Er schien merkt zu haben, dass ich eigentlich etwas anderes sagen wollte. Doch er sagte nichts.
„Morgen früh suchen wir deinen Vater“, versprach er mir nach einer Weile.

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das ist auch sehr schön geschrieben. extra ohne silbentrennung Wink

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Ja, da hab ich jetzt extra drauf geachtet xD
Ähm, der nächste Abschnitt ist vlt nicht unbedingt was für schwache Nerven. Ich sags lieber vorher, bevor es noch Proteste hagelt ^^

17
12. März, 1:28 Uhr

Sara läuft in ihrem rosa Lieblingskleid lachend ihrer Mutter entgegen. Lyla breitet ihre Arme aus. Hinter ihr steht Stefan und lächelt ihr zu. Plötzlich rennt er Sara entgegen und wirbelt sie durch die Luft. Sie fühlt sich, als würde sie fliegen. Sie schreit vor Lachen. Stefan setzt sie auf dem Boden ab. „Daddy!“, ruft die Kleine enttäuscht. „Nicht aufhören. Ich will nochmal!“ Er sieht nur traurig auf sie hinab und schüttelt ganz langsam den Kopf. Dann dreht er sich zu Lyla um. Sara folgt den Blicken ihres Vaters. Sie sieht, dass ihre Mutter regungslos am Boden liegt. „Mommy?“, flüstert sie mit kippender Stimme. Dann ruft sie noch einmal so laut ihre Kinderstimme kann: „Mommy! Was ist mit dir?“ Sie will zu ihr rennen. Ihr Vater hält sie an der Schulter zurück. „Lass mich!“, schreit sie ihn schrill an. Er sieht sie mitleidig an. Sie weint. Die Tränen kullern ihr über die roten, runden Wangen. Ihre Unterlippe zittert. Sie weiß nicht, warum sie weint. Sie stößt Stefans Hand beiseite. Ihre Knie zittern so sehr, dass sie nicht alleine stehen kann. Sie fällt und schlägt sich die Knie auf. Sie weit noch mehr. Die Tränen verschleiern ihren Blick. Sie kann nichts mehr sehen.
Als sich der Tränenschleier so weit verzogen hat, dass sie wieder sehen kann, hat sich die Szenerie verändert. Das erste, das ihr auffällt ist, sie größer ist als eben noch. Der Unterschied ist so groß, dass sie im ersten Moment glaubt, auf einer Leiter oder einem Stuhl zu stehen. Dann merkt sie, dass sie gewachsen ist. Sie ist erwachsen – oder nur fast? Sie weiß es nicht. Dann sieht sie sich um. Sie ist in einem großen, dunklen, vollkommen leeren Raum. Er ist so riesig, dass sie kaum die gegenüberliegende Wand erkennen kann. Sie legt den Kopf in den Nacken, doch die Decke verschwindet irgendwo in der Dunkelheit. Sie macht ein paar Schritte in den Raum hinein. Der vierte Schritt verursacht einen leise platschenden Laut. Sie bleibt stehen und sieht auf ihren linken Fuß hinab. Er steht in einer glänzenden, dunklen Flüssigkeit. Sie geht in die Knie. Sie steckt ihren Finger in die Flüssigkeit. Sie ist warm. Sara erkennt, dass es Blut ist. Sie weiß nicht, wie sie das feststellt. Es ist wie eine unhörbare Stimme, die es ihr wortlos einflüstert. Immer und immer wieder.
Blut, Blut, Blut,... Sie lässt ihren Blick über die Pfütze streifen, in der sie kniet. Sie sieht einen Schatten an ihrem Ende – oder in ihrer Mitte? Sie steht auf und stapft durch das Blut auf ihn zu. „Nein“, schreit sie klagend, als sie den Toten identifiziert. „Nein! Jonas, bleib bei mir!“ Sie kann selbst nicht sagen, warum sie weiß, dass es Jonas ist. Er ist nicht zu erkennen. Sein Gesicht ist zerfetzt. Sein Körper ist von Schüssen zerlöchert. Ein Teil seiner Schädelplatte fehlt. Das Loch macht den Blick frei auf die wabernde Masse im Inneren seines Kopfes.

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das ist wirklich nichts für schwache nerven besonders der schluss. aber dennoch sehr gut geschrieben

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Ich habs ja gesagt ^^

18
12. März, 3:06 Uhr

Ich schrie. Meine Augen waren vor Schrecken weit aufgerissen. Der Schweiß lief mir in Strömen das Gesicht hinunter. Mein Atem ging stoßweise. Die Decke lag halb um mich geschlungen, halb zerknüllt irgendwo unter und neben mir. Ich sah mich um. Jonas war weg. Meine Mutter sowieso. Wo waren sie? Wo war ich selbst?
Nur langsam fiel es mir ein. Ganz langsam erkannte ich die beiden weichen Sessel, den großen Fernseher, die teuer anmutenden Bilder an den Wänden. Ich erkannte die Umrisse des Hotelzimmers, in das ich gestern Abend mit Pino gekommen war.
Pino!
In dem Moment, in dem ich an ihn dachte, regte sich der Schatten in dem Bett neben meinem. Grummelnd kämpfte Pino sich aus seiner Decke an die Oberfläche. Er knipste die Nachttischlampe an. Im ersten Moment fühlte ich mich geblendet, aber das bekam ich kaum bewusst mit. Ich saß, weiter stumm mit der Angst, die ich aus meinem Alptraum mitgenommen hatte, ringend, auf meinem Bett und starrte in das nun schummrig erhellte Zimmer.
Aus dem Augenwinkel bemerkte ich Pinos sorgenvolle Blicke. Ich konnte hören, wie er aufstand. Dann hörte ich seine nackten Füße auf dem weichen Teppich die zwei Schritte zu meinem Bett zurücklegen. Ich spürte, wie das Gewicht seines Körpers die Matratze direkt neben meinem Körper nach unten drückte.
Als ich seinen Arm um meine Schultern spürte, zuckte ich kurz zusammen. Ich war auf diese plötzliche vertraute Berührung nicht vorbereitet gewesen – und der Alptraum erledigte den Rest: Pinos Berührung rief ein Bild in mir hoch, wie mein Vater mich als etwa vierjähriges Mädchen an der Schulter festhielt.
Obwohl ich mich wehrte, drückte Pino mich unbeirrt an seine starke Brust. Ich spürte, wie sich sein Brustkorb langsam hob und senkte. Es beruhigte, seinem leisen Atem und den regelmäßigen Herzschlägen zu lauschen.
Mein Atem passte sich langsam dem seinen an und wurde immer ruhiger. Gleichzeitig entspannte sich auch mein ganzer Körper und ich begann, wieder klar zu denken. Es war ein Traum, beruhigte ich mich selbst. Nur ein Traum.
„Alles wieder in Ordnung?“, fragte Pino mit sanfter Stimme und drückte mich von sich weg, um mir in die Augen sehen zu können.
Ich nickte. „Soweit es geht, nach den letzten Tagen“, flüsterte ich. Dann presste ich mich wieder an seine Brust. Sein Körper war warm, so warm. Und seine Berührung war so beruhigend. Ich wurde müde. Ich wollte nicht einschlafen, ich hatte Angst, dass der Alptraum zurückkehren könnte.
Trotzdem schmiegte ich mich noch enger an Pino und schloss die Augen.

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das ist alles auch wieder richtig toll geschrieben.

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Jetzt kommt wieder was ganz kurzes... Und viel hab ich leider nicht mehr für euch Sad Komme im Moment nicht so gut vorran... Habe grad schon wieder was neues angefangen, dem ich mich jetzt am meisten widme und es ist alles irgendwie kompliziert...

19
12. März, 8:36 Uhr

Ich war doch wieder eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als ich vor einer halben Stunde das Rauschen der Dusche gehört hatte. Kurze Zeit später war Pino mit nassen Haaren aus dem Bad gekommen.
Ich hatte nicht wieder geträumt.
Als ich nun frisch geduscht aus dem Bad kam, stand Pino am Fenster. Vorsichtig lugte er hinter dem Vorhang auf die Straße. Ich ging auf ihn zu und wollte an ihm vorbei nach draußen schauen, doch er hielt mich mit dem Arm zurück.
„Wir werden beobachtet“, erklärte er nüchtern und ohne sich dabei zu ihr umzudrehen. „Dort unten auf der Straße steht ein Auto. Alter Fiat. Ich habe es ankommen sehen, kurz nachdem du aufgestanden bist, aber es ist bisher niemand ausgestiegen. Das ist jetzt schon fast eine halbe Stunde her. Sie müssen uns irgendwie gefunden haben.“
„Und was machen wir jetzt?“
„Das Auto können wir auf jeden Fall nicht nehmen“, antwortete Pino. „Sie die Ausfahrt direkt im Blick und der Kerl von gestern hat meinen Wagen gesehen. So viele Maserati fahren glaube ich nicht hier durch die Stadt. Sie würden uns sofort erkennen.“
„Aber den Eingang sehen sie auch“, warf ich ein. „Wir müssten den…“
„Den Hintereingang werden sie auch überwachen“, warf Pino meine Idee über den Haufen, bevor ich sie überhaupt ganz ausgesprochen hatte. „Die Kerle sind Profis, die haben unter Garantie auch auf der Rückseite des Gebäudes einen Wagen stehen.“
„Dann sitzen wir hier fest?“, fragte ich verzweifelt. Wir saßen in der Falle. Wir saßen ganz eindeutig in der Falle.
„Das habe ich nicht behauptet“, entgegnete Pino. „Erst einmal gehen wir jetzt frühstücken und dann kümmern wir uns darum, hier raus zu kommen.“

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zum schluss wirds richtig spannend und es ist nicht schlimm das du jetzt aufhörst du musst nur irgendwann weiter schreiben

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Nein, ich glaub, das hast du falsch verstanden. Jetzt hört es noch nicht auf, ein paar Kapitel hab ich schon noch in petto. Und auf meinem High-Tech-Taschenrechner hab ich auch noch 2 oder so abgespeichert, aber ich bin zu faul, es abzutippen -.- Also, ich werde die ganze Geschichte auf jeden Fall und 2 Teile unterteilen, wovon der erste jetzt fast abgeschlossen ist. Das Ende wird dann auch RELATIV geschlossen sein, nur ein paar Fragen bleiben noch offen, die dann der zweite Teil beantworten wird. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hoffe, dass ich euch zumindest den ersten Teil noch ohne lange Verzögerungen posten kann Wink

20
12. März, 9:29 Uhr

Wir hatten in aller Ruhe gefrühstückt. Ich hatte kaum einen Bissen herunterbekommen, weil ich immer wieder an die Männer in dem Auto vor unserem Hotel denken musste, die ganz sicher hinter mir her waren. Doch Pino hatte mich nicht gehen lassen, bevor ich nicht zumindest zwei Scheiben Toast und eine Portion Rührei gegessen hatte.
Jetzt standen wir am Rand der weitläufigen Lobby. Ein älteres Ehepaar checkte gerade an der Rezeption ein. Die Frau trug so viel und so schweren Schmuck, dass sie unter dem Gewicht zu schrumpfen schien, im exakten Gegensatz zu ihr hatte ihr Mann einen stattlichen, runden Bauch, der vorne über seine Hose quoll. Pino hatte mir erklärt, dass er warten wollte, bis wir ganz allein mit dem Rezeptionisten waren. Der beleibte Mann nahm nun endlich die Schlüssel entgegen. Wir warteten, bis sich die Aufzugtüren hinter dem ungleichen Paar ge-schlossen hatten. Dann legte Pino mir vertraut den Arm um die Schultern.
Ich zuckte zusammen und meine Muskeln verkrampften sich. Pino beugte seinen Kopf ganz dicht an mein Ohr heran. „Spiel einfach mit“, hauchte er kaum hörbar. „Überlass alles mir.“
Ich versuchte, mich etwas zu entspannen und rückte noch ein Stück näher an ihn heran. Er drückte mir aufmunternd die Schulter. Es erinnerte mich an die tröstende Berührung meines Vaters, kurz nachdem ich ihn kennengelernt hatte. Das lenkte meine Gedanken zum ersten Mal an diesem Tag auf ihn. Ich war so damit beschäftigt gewesen, mir Gedanken zu machen, wie ich Jonas und meine Mutter rächen könnte und wie wir aus dem Hotel entkommen könnten, dass ich Stefan beinahe vergessen hätte. Wie es ihm wohl ging? Hoffentlich hatte der Kerl ihn nicht so schwer verletzt – oder gar getötet? Nein, das konnte ich nicht glauben – das durfte ich nicht glauben, denn das hieße, die Frage in meinem Kopf Gestalt annehmen zu lassen, ob vielleicht alle, die mir etwas bedeuteten, des Todes geweiht waren.
„Was darf ich für Sie tun?“, erkundigte sich der Rezeptionist freundlich.
„Wir haben ein Problem“, erklärte Pino. „Der Ex-Freund meiner Freundin wartet vor dem Hotel auf uns – und er ist krankhaft eifersüchtig. Er denkt, sie wäre nur mit mir zusammen, um ihn neidisch zu machen und zurückzugewinnen. Meine Freundin möchte ihm – verständlicherweise – nicht über den Weg laufen. Können Sie uns unauffällig hier raus bringen?“
„Sie können jederzeit unseren Hinterausgang…“
„Nein!“, unterbrach Pino den Hotelangestellten. „Sein bester Freund steht vor dem Hinterausgang. Der ist ein Schlägertyp und würde mich kurz und klein schlagen, nur weil sein Kumpel eifersüchtig auf mich ist.“
„Ich verstehe“, sagte der Mann in einem Ton, der das genaue Gegenteil seiner Worte behauptete. „Dann warten Sie doch einfach, bis die beiden weg sind.“
„Das kann dauern“, lachte Pino abfällig. „Die sind genauso geduldig wie dumm und brutal – und wir haben keine Zeit.“
„Also, es tut mir wirklich leid, aber mehr kann…“
„Schaffen Sie uns hier raus“, unterbrach Pino ihn schon wieder und schob ihm einen Hunderteuroschein über den Tresen, „egal wie, aber bald!"

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das ist auch wieder richtig cool geschrieben und sr das ich dich falsch verstanden hab .jetzt hab ich dich hoffentlich richtig verstanden, es ist aber trotzdem nicht so schlimm

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Ist doch kein Problem Wink Kann ja immer mal passieren ^^

21
12. März, 11:51 Uhr

Eng aneinandergedrängt lagen wir in einem metallenen Wäschewagen. Von oben bedeckte uns nur eine dünne Schicht schmutziger Handtücher und Bettwäsche, durch die schummeriges Licht drang. Es war eng, so unglaublich eng. Von hinten drückte die kalte Metallwand, ebenso wie von unten und am Kopf und an den Füßen, von vorne lag Pinos Körper dicht an dem meinen. Die Beine mussten wir anwinkeln.
Ich zitterte und mein Atem ging schneller als gewohnt – fast so wie heute Nacht, als ich aus meinem Alptraum erwacht war. Ab und zu konnte ich ein leises Wimmern nicht unterdrücken.
„Was ist?“, flüsterte Pino und sah mir tief in die Augen. In dem schummrigen Licht, das durch die Handtücher über uns fiel, konnte ich seine Augen nur als dunkle Flecken erkennen.
„Nichts“, antwortete ich schnell – zu schnell, um glaubwürdig zu sein. Plötzlich war es mir peinlich, Pino meine unsinnige Angst zu beichten. Es war genau wie mit dem Fliegen: Ich hatte nie schlechte Erlebnisse gehabt - weder in der Luft noch in beengten Räumen - und trotzdem fühlte ich mich zunehmend unwohler.
An der leichten Veränderung seiner Gesichtszüge erahnte ich, dass er die Stirn runzelte. „Das kannst du mir nicht erzählen.“ Sein Tonfall verriet mir, dass ich recht hatte und er mich tatsächlich misstrauisch musterte.
Ich seufzte. „Ich habe Platzangst“, gab ich zu. Ich lachte nervös. „Ich mache echt einen tollen Eindruck auf dich, oder? Du musst denken, ich habe vor allem Angst!“
Pino lachte leise. Ich fühlte mich nicht ausgelacht – im Gegenteil klang es angenehm und beruhigend. „Das macht doch nichts“, flüsterte er mir ins Ohr, während er auf dem beengten Raum mühsam seine Arme um mich legte und mich tröstend drückte. Wie in der Nacht kuschelte ich mich in seine starken Arme. Obwohl es jetzt noch enger war, dadurch, dass sein linker Arm von oben auf mich drückte, fühlte ich mich geschützt.
Jemand klopfte von außen an unseren Wäschewagen. Das war das vereinbarte Zeichen, dass wir nun das Gebäude verließen und still sein sollten. Pino legte mir seinen rechten Zeigefinger auf die Lippen. Alles, was ich über das leise Rumpeln des Wagens hinweg hörte, waren Pinos Atemzüge und die meinen, die – wieder einmal – viel schneller und hektischer waren.
Kurze Zeit später hörte ich das Zuschlagen von schweren Türen und bald darauf begann alles um uns herum zu wackeln. Pino nahm seinen Finger von meinen Lippen und setzte sich langsam auf, wobei er sich umständlich durch die Wäsche kämpfte. Ich stemmte mich neben ihm nach oben und sah mich in dem fast vollen LKW-Laderaum um.
„Du bist lustig“, stellte Pino amüsiert fest. Seine Augen lachten mich spöttisch an.
Ich sah ihn fragend an. „Wieso?“
„Du findest die Leiche deiner Mutter im Wohnzimmer, flüchtest in ein völlig fremdes Land, wirst dort von dem potenziellen Mörder deiner Mutter verfolgt, beobachtest zwei weitere Morde und fliehst mit einem Wildfremden in einem Wäschewagen aus einem Hotel – in dem du mit ihm die Nacht verbracht hast. Und alles, wovor du dich fürchtest ist das Fliegen, ein Traum und beengte Räume? Und dann glaubst du, ich könnte dich für einen Angsthasen halten?“ Er lachte wieder.
Eine Antwort blieb ich ihm schuldig.
Einige Minuten später hielt der LKW und der Fahrer öffnete die Türen des Laderaums, um uns herauszulassen. Wir bedankten uns bei ihm und Pino steckte ihm ein mehr als großzügiges Trinkgeld zu.
Wenige Sekunden später standen wir allein auf der Straße und sahen den LKW um die nächste Ecke biegen. Ich sah mich verwirrt um. Ich hatte keine Ahnung, aus welcher Richtung wir gekommen waren – und schon gar nicht, in welche Richtung wir gehen mussten. „Und nun?“, fragte ich.
„Du weißt nicht, in welcher Straße dein Vater wohnt, oder?“, fragte Pino.
Ich schüttelte nur den Kopf.
Pino zuckte mit den Schultern und zog sein iPhone aus der Hosentasche.
„Seine Telefonnummer habe ich auch nicht“, winkte ich ab.
„Ich weiß aber, wo du sie herbekommst“, entgegnete er und zeigte mir sein Handy, das nun die Startseite von Google anzeigte. Er öffnete die Seite eines Telefonbuchs. „Wie heißt dein Vater?“
„Stefan Grau.“
„Und er wohnt hier in der Stadt?“
Ich nickte. „Ja.“
Er gab den Namen und die Stadt ein und auf dem Display erschien eine kurze Liste. Es gab zwei Stefan Graus in der Stadt. Pino sah mich fragend an. Ich schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung, welcher er ist.“
Er wandte sich wieder seinem Telefon zu und klickte eine der Nummern an. Das Handy wählte und Pino hielt es sich ans Ohr. Kurze Zeit später nahm er es enttäuscht wieder runter. „Keiner da.“ Er probierte auch die nächste Nummer, aber das Ergebnis war dasselbe.
„Eine der beiden Adressen ist nicht sehr weit von hier“, überlegte Pino laut, während er einen weiteren Blick auf sein Display warf. „Wir gehen zu Fuß hin und du siehst dir das Haus an. Wenn es nicht das deines Vaters ist, gehen wir zu der anderen Adresse.“
„Und was ist, wenn er gar nicht im Telefonbuch steht?“
Pino schwieg.

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wieder sehr schön geschrieben. Wink

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