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Rahena

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Phantarch
Phantarch
Das 22. Kapitel ist wieder sehr kurz, deshalb kommt das 23. gleich hinterher.

22
12. März, 13:11 Uhr

„Ist es das?“, fragte Pino und zeigte auf ein kleines, gelbgestrichenes Haus.
Ich schüttelte den Kopf.
„Schade. Wir haben also kein Glück. Dann müssen wir auch noch zu der anderen Adresse.“ Er seufzte.
„Ist es weit?“, fragte ich. Ich war müde. Die letzten Tage waren lang gewesen und die Nächte dafür umso weniger erholsam.
Pino schüttelte den Kopf. „Wir könne wieder zu Fuß gehen. Wenn wir die Abkürzung durch den Wald nehmen, müssten wir es sogar in einer dreiviertel Stunde schaffen.“
„Dreiviertel Stunde?“, ich stöhnte.

23
12. März, 13:43 Uhr

Wir waren schon mindestens zwanzig Minuten im Wald unterwegs, nachdem wir fast genauso lange an der Straße gelaufen waren. Ich hoffte, dass Pinos dreiviertel Stunde großzügig gerechnet war und wir bald da waren. Er hatte mir zwar schon erklärt, dass es nicht mehr weit war, aber das hatte er auch über den Weg zum ersten Haus behauptet – was sich als glatte Lüge herausgestellt hatte. Trotzdem hoffte ich, er würde Recht behalten.
Plötzlich raschelte etwas hinter uns. Zeitgleich mit Pino wirbelte ich herum und konnte gerade noch einen Schatten hinter einem riesigen Baum verschwinden sehen.
„Hast du das auch gesehen?“, fragte ich den Mann neben mir. Ich hoffte, ich hätte es mir eingebildet, doch Pino nahm mir schnell meine Hoffnung, indem er nickte.
„Lass uns schneller gehen“, schlug er vor. „Wenn wir erst aus dem Wald raus sind, haben wir bessere Chancen, ihn abzuhängen.“
Als hätte der Mann das gehört, trat er hinter dem Baum hervor. Wahrscheinlich hatte er mitbekommen, dass wir ihn bemerkt hatten und hielt seine Deckung jetzt für überflüssig. Ich erkannte in ihm denselben Mann, der Jonas und seinen Vater erschossen hatte. Zum wiederholten Mal sah ich den Lauf einer Waffe auf mich gerichtet.
„Pino?“, rief der Mann erstaunt. „Du?“
„Axel“, bemerkte Pino trocken. „Nimm die Waffe weg, Mann! Du weißt genauso gut wie ich, dass du nicht auf sie schießen kannst.“
Tatsächlich wirkte der Fremde, der nun endlich einen Namen hatte, einen Moment irritiert – genauso wie ich: Woher kannte Pino ihn? Dann fing er sich aber wieder. „Das hat sich geändert“, erklärte er abfällig lachend.
„Glaube ich nicht“, entgegnete Pino ruhig. „Dafür bist du zu weich. Selbst wenn du mittlerweile gemordet hast, wissen wir beide, dass dich das niemals loslassen wird. Du bist ein guter Mensch, Mann, kapier das!“
Während er redete, ging Pino auf Axel zu. Der schien das gar nicht zu bemerken, er wirkte angespannt. Sollte Pino recht haben? War er wirklich ‚zu weich‘? Aber er hatte Mathias und Jonas – und wahrscheinlich auch meine Mom – kaltblütig erschossen!
Pino stand jetzt direkt vor dem Mann. „Mensch Axel“, redete er auf ihn ein. „Das bist nicht du, merkst du das nicht?“
Dann ging alles schnell. Pino drückte die Pistole nach unten, Axel drückte noch ab, war aber zu langsam und traf so nur den weichen Waldboden. „Tut mir leid“, murmelte Pino, für mich kaum hörbar, während er Axel seine Faust hart in die Wange rammte. Axel ging zu Boden. Pino wartete nicht ab, ob er liegenbleiben oder sich wieder aufrappeln würde. „Lauf!“, brüllte er mir zu und rannte dann selbst in meine Richtung los.
Wir rasten kurz hintereinander zwischen den engstehenden Bäumen hindurch. Ich konnte schon wieder Schritte hinter mir hören, die nicht Pino gehörten. Ich war mir nicht sicher, ob es Einbildung war oder echt, aber ich wollte garantiert nicht stehen bleiben, um es herauszufinden.
Nach kurzer Zeit tauchte zwischen den Bäumen vor uns der Umriss eines alten Hauses auf. „Da rein!“, rief Pino. Ich war verwirrt. Würden wir dort nicht in der Falle sitzen? Trotzdem vertraute ich ihm und sprang nur Sekunden später die drei Stufen vor der gewaltigen Tür nach oben. Ich riss an der Tür. Tatsächlich schwang sie mit leisem Knarren nach innen. Ich hatte nicht daran geglaubt, sie unverschlossen vorzufinden. Pino war kurz hinter mir und stieß die Tür hinter sich zu. Er fingerte eine Weile in der hier drinnen herrschenden Dunkelheit unter der Klinke herum, gab dann aber auf, als er den Schlüssel nicht fand.
„Mir nach!“, wies er mich an. Dann rannte er schon wieder weiter. Ich folgte ihm quer durch die riesige Eingangshalle, dann verschwand er durch eine Tür. Ich rannte hinter ihm hindurch, während ich erneut das Knarren der Eingangstür hörte. Kurz darauf irrten unschlüssige Schritte durch die Halle.
In der Dunkelheit und unter Eile, möglichst schnell möglichst weit weg zu kommen, prallte ich gegen ein Hindernis – war es ein Tisch? Ich konnte einen leisen Schrei nicht unterdrücken. Gleich darauf hätte ich mich selbst ohrfeigen können, denn jetzt hörte ich die Schritte hinter mir zielstrebiger in meine Richtung kommen. Ich versuchte, in der Dunkelheit Pino zu finden, konnte ihn aber nicht einmal mehr hören. Stattdessen fand ich – oder besser gesagt mein Fuß – eine Tür, die halb offen stand, so dass ich direkt dagegen laufen konnte, ohne sie überhaupt zu sehen. Ich stolperte hindurch und konnte am anderen Ende des Raums einen schwachen Lichtschimmer erkennen. Ich tappte durch den Raum darauf zu, stieß mir ein weiteres Mal den Zeh und erreichte endlich eine Tür. Ich stieß sie auf und ein Schwall hellen Lichts strömte nach innen und blendete mich im ersten Moment. Schnell trat ich – noch halb blind von der plötzlichen Helligkeit – nach draußen und warf die Tür hinter mir ins Schloss.
Ich rannte taumelnd über die Lichtung, in deren Mitte das Haus stand, und lief zwischen den Bäumen weiter. Ich drehte mich um und sah zum Haus zurück. Ich schien in die richtige Richtung zu laufen, denn ich ging genau in die Richtung weiter, in die Pino und ich zuvor gewandert waren.
Kurz bevor ich mich wieder zurückdrehte, öffnete sich die Tür, aus der ich eben gekommen war, erneut und Axel taumelte hinaus. Auch er schien gegen mehrere Ecken gerannt zu sein, denn er humpelte leicht. Ich wartete nicht ab, bis ich erkennen konnte, in welche Richtung er sich wandte, und rannte stattdessen schnell weiter, um ihm nicht doch noch in die Arme zu laufen – oder schlimmer noch: vor den Lauf seiner Pistole.

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Nala

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Phantarch
Phantarch
das ist richtig spannend geschrieben und wieder eine frage woher kennt Pino Axel überhaupt

Rahena

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Phantarch
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Jaha, die Frage wird bald beantwortet. Dauert gar nicht mehr lang. Und wenn sie beantwortet ist, ist auch der erste Teil zuende und ich mach erstmal ne Pause mit posten, weil ich noch nicht mehr hab xD

24
12. März, 14:26 Uhr

Ich war vor wenigen Minuten völlig außer Atem aus dem Wald getaumelt. Zum Glück hatte ich mir den Straßennamen gemerkt, den Pinos iPhone angezeigt hatte, und so hatte ich den ersten Passanten, der mir begegnet war, nach dem Weg gefragt. Der Mann hatte mich verstört angesehen. Ich musste einen schrecklichen Anblick geboten haben: Die Augen vor Schrecken und Angst geweitet, die Hose dreckig vom matschigen Waldboden, das Gesicht schweißüberströmt, die Haare dadurch nass an der Stirn klebend. Trotzdem hatte er nach kurzem Überlegen in eine Richtung gezeigt und mir gesagt, es sei die dritte Straße auf der linken Seite. Ich hatte mich bei ihm bedankt und war eilig weitergerannt. Ich hatte förmlich spüren könne, wie er mir kopfschüttelnd nachgesehen hatte.
Jetzt bog ich endlich um die Ecke in die Straße, in der ich das Haus meines Vaters vermutete. Tatsächlich kam mir die Umgebung bekannt vor. Als ich das merkte, schaffte ich es sogar, noch einmal meine letzten Kräfte zu mobilisieren und etwas schneller zu laufen.
Endlich stand ich vor dem Haus – vor seinem Haus. Es war wirklich sein Haus! Am Ende meiner Kräfte schleppte ich mich die Einfahrt hoch. Ich nutzte den Schwung meiner Bewegung und wandelte ihn in ein lautes Klopfen an die Tür um. Nebenbei bearbeitete meine andere Hand den Klingelknopf.
Ich zwängte mich ins Haus, noch bevor die Tür ganz offen war. „Mach die Tür zu!“, schrie ich. Erst nachdem ich das Zuschlagen der Tür gehört hatte, drehte ich mich um und sah, wen ich gerade angebrüllt hatte. „Stefan!“, keuchte ich außer Atem. „Geht es… dir gut? Hat er… dich… verletzt?“
Mein Vater sah mich verdattert an. „Sara?“, murmelte er. „Wo kommst du her?“ Er ging auf mich zu und schloss mich in die Arme. „Ich dachte, er hätte dich erwischt.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich dachte, ich hätte dich verloren, kaum dass ich dich endlich gefunden hatte.“
„Er hat mich nicht erwischt“, beruhigte ich ihn. Ich war mittlerweile schon wieder etwas zu Atem gekommen. „Auch wenn er kurz davor war, aber Pino hat mich gerettet.“
„Wer ist Pino?“
Ich erzählte ihm, was passiert war, nachdem wir uns voneinander getrennt hatten.
„Und was hat dieser Pino mit dem Kerl – Axel – zu tun?“
„Ich weiß es nicht“, antwortete ich niedergeschlagen. Ich hatte auf dem gesamten Weg hierher nach einer Lösung gesucht, die Pino nicht als einen der bösen darstellte. Mir waren nur unsinnige und kindische Möglichkeiten eingefallen.
„Und jetzt ist er immer noch hinter dir her?“
„Vielleicht hat er meine Spur verloren, vielleicht sogar schon seit dem Haus im Wald. Aber sicher bin ich mir nicht und ich wollte auch nicht stehen bleiben und auf ihn warten, um es herauszufinden.“
Er nickte. „Lass uns ins Wohnzimmer gehen und überlegen, wie wir weitermachen.“
Ich folgte ihm ins Wohnzimmer. Als ich einen Blick auf das Sofa werfen konnte, blieb ich abrupt stehen und schrie kurz überrascht auf. „Jonas!“, rief ich dem jungen Mann, der auf Stefans dunkelgrüner Couch saß, zu. Er war quicklebendig. Das einzige, das anders war als das letzte Mal, dass ich ihn gesehen hatte, war der blütenweiße Verband um seine rechte Schulter und die Schlinge, in der sein Arm hing.
„Jonas!“, schrie ich erneut und fiel ihm um den Hals. „Ich dachte, du wärst tot.“ Ich weinte laut schluchzend in seine Schulter. Er stöhnte vor Schmerz laut auf, als ich seine Wunde berührte, sagte aber nichts, sondern erwiderte meine Umarmung stattdessen sogar noch mit seinem freien Arm.
„Ich dachte, er hätte dich erschossen“, flüsterte ich immer noch mit Tränen in den Augen, aber vor Glück lachend. „Ich habe es doch gesehen.“
Er fasste mich an der Schulter, schob mich sanft von sich weg und lächelte mich an. „Er hat auf mich geschossen, das stimmt. Und er hat mich auch getroffen, wie du siehst.“ Er deutete mit dem Blick auf den Verband an seiner Schulter. „Aber erschossen hat er mich nicht. Ich habe mich nur tot gestellt. Als er mir dann den Rücken zugedreht hat als du geflohen bist, habe ich ihn von hinten überwältigt. Wir haben gekämpft. Er hat seine Waffe wieder aufsammeln können und hat auf Stefan geschossen.“
Ich blickte meinen Vater an. Erst jetzt bemerkte ich, dass auch er einen Verband trug, aber er war nur dünn am Unterarm und lugte nur ganz wenig unter dem Pullover hervor, den er trug. Er konnte nicht schwer verletzt sein.
„Er hat ihn nur ganz leicht gestreift“, fuhr Jonas fort, als hätte er meine Gedanken gelesen. Wir konnten ihn dann doch noch überwältigen und ihm die Waffe abnehmen, aber irgendwie ist er uns doch entkommen.“
„Ihr habt ihm die Waffe abgenommen?“, fragte ich skeptisch. Jonas nickte stolz. „Dann hat er jetzt eine neue“, stellte ich beiläufig fest, als würde ich über das Wetter reden.
„Du bist ihm nochmal begegnet?“
Ich berichtete Jonas, was ich eben schon meinem Vater erzählt hatte. Als ich von Pino, der Nacht im Hotel und der anschließenden Flucht im Wäschewagen redete, verfinsterte sich Jonas‘ Blick.
„Ich mach uns was zu essen“, murmelte Stefan und lief in die Küche. Kurze Zeit später hörte ich ihn mit den Töpfen rumoren. Ich war so froh, zurück zu sein und die beiden wiederzusehen, dass ich mich sogar schon auf das Essen freute, das uns Stefans dürftige Kochkünste bescheren würden.
Jonas und ich saßen schweigend nebeneinander. Als ich bemerkte, dass ich seinen Blicken auswich, brach ich die Stille. „Ich bin echt froh, dass du noch lebst.“ Es klang dumm, das wurde mir im selben Moment bewusst, in dem ich es aussprach.
Jonas lachte sein angenehm warmes Lachen. „Ich auch“, sagte er. „Ich auch.“
„Als ich dachte, dich sterben zu sehen“, versuchte ich ihm zu erklären, „da habe ich mich gefühlt als… als würde etwas in mir endgültig zerreißen, das durch den Tod meiner Mom schon weit angerissen war. Ich wollte erst nicht rennen, als Stefan es mir gesagt hat. Ich habe die Gefahr nicht bemerkt, in der ich schwebte, es war mir in dem Moment egal. Ich wollte… Alles was ich wollte, war… war zu dir zu gehen und dich ein letztes Mal zu berühren, dir noch einmal in die Augen zu sehen.“ Meine Stimme war immer leiser geworden, bis sie am Ende nur noch ein schwaches Flüstern gewesen war. Ich hatte wieder Tränen in den Augen.
„Ich habe mitbekommen, dass du nicht sofort gelaufen bist“, erzählte er. „Ich habe gebetet, du würdest rennen. Ich wollte dich nur in Sicherheit wissen.“ Er drückte mich erneut mit seinem unversehrten Arm fest an sich.
Kurze Zeit später ließ er mich wieder los und strich stattdessen mit seiner Hand meine Haare hinter mein Ohr. Dann fuhr sein Daumen über meine Wange. Er legte seine Stirn an meine. Wir waren uns jetzt so nahe, dass ich seinen warmen Atem in meinem Gesicht spüren konnte. „Ich hatte Angst, dich zu verlieren“, hauchte er so leise, dass ich die Worte kaum verstand.
Er zog mein Gesicht noch näher an seines heran. Kurz bevor sich unsere Lippen berührten, konnte ich sehen, dass seine Augen jetzt feucht schimmerten. Er küsste mich nur ganz kurz und vorsichtig. Doch diese kurze, fast schon flüchtige Berührung war so voller Sehnsucht, dass es mir vorkam, wie mehrere Minuten größter Intimität.
Als Jonas seinen Kopf zurückzog, folgte ich ihm ein Stück. Ich hungerte nach der sanften Wärme seiner Lippen. Ich empfand die wenigen Zentimeter, die nun zwischen uns lagen, als nahezu unüberwindbare Distanz. Es war, als wäre ich mein ganzes Leben in einem dunklen Keller eingesperrt gewesen und nun endlich nach draußen gekommen. Nun hatte ich die Schönheit der Natur außerhalb der Finsternis kennengelernt und wollte unter keinen Umständen jemals wieder in mein Gefängnis zurück.

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Nala

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Phantarch
Phantarch
das ist richtig herzzerreißend geschrieben ich war echt ganz kurz vorm heulen und der schluss mit dem keller und der natur ist auch richtig klasse geschrieben

Rahena

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Phantarch
Phantarch
Danke Smile Dann kommt vorerst der vorletzte Teil...

25
12. März, 15:03 Uhr

„Was machen wir jetzt?“, sprach Jonas aus, was wir alle dachten. „Axel ist nicht der einzige. Selbst wenn wir ihn los werden, werden immer neue kommen, gefährlichere vielleicht.“
„Wir müssen herausfinden, was sie von Sara wollen“, erklärte Stefan. „Wir fahren gleich erst einmal zu deinem Haus, Jonas, und versuchen, auf dem Computer deines Vaters Hinweise zu finden.“
Ich sagte nichts. Es war nicht fair. Was hatte ich mit dem zu tun, was vor meiner Geburt zwischen meiner Mom und der GRA vorgefallen war? Warum musste ich jetzt fliehen? warum brachte ich jetzt alle in Gefahr, die mir halfen? Ich wusste nicht einmal, was die Kerle von mir wollten!
Kurze Zeit später standen wir auf, zogen unsere Jacken an und öffneten die Haustür. Noch bevor auch nur einer von uns einen Schritt nach draußen machen konnte, hörten wir eine uns mittlerweile wohlbekannte Stimme.
„Hallo allerseits“, begrüßte Axel uns mit aufgesetzter Freundlichkeit. Ich hätte wetten können, dass ich nicht die einzige war, die sein wahres Gesicht hinter dem falschen Grinsen sehen konnte. „So schnell sehen wir uns wieder. Lasst uns doch ins Haus gehen, da redet es sich besser.“ Er richtete seine Waffe so auf uns, dass die Passanten auf der Straße sie nicht bemerken konnten, sollte einer zufällig in unsere Richtung sehen.
Wir wichen rückwärts ins Haus. Axel folgte uns und ließ uns dabei keinen Moment aus den Augen. „Los, ins Wohnzimmer!“, befahl er.
Wir setzten uns nebeneinander auf die Couch, die Axel uns mit einem Wink seiner Pistole zuwies.
„Was willst du eigentlich von mir?“, schrie ich den Mann an.
„Selbst wenn ich es dir sage, würde dir das nichts bringen. Ich habe Befehle, dich umzubringen – und alle, die mir dabei im Weg stehen. Und ich befolge meine Befehle immer.“
„Dann sag mir wenigstens, wofür ich sterbe!“
„Du wirst nicht sterben!“, warf Jonas ein. „Das lasse ich nicht zu. Ich beschütze dich – und wenn es das letzte ist, was ich tu!“
„Wie rührend“, bemerkte Axel abfällig. „Aber das ändert auch nichts. Mir ist es egal, ob ich erst dich oder deinen kleinen Freund erschieße. Oder vielleicht dein Bullenschwein von Vater?“
„Du kannst das nicht“, behauptete ich ganz ruhig. „Es lässt dich nicht los. Du wirst in deinem ganzen Leben keine Ruhe mehr vor uns haben!“
„Jetzt rede nicht die gleiche Scheiße wie Pino!“, brüllte Axel. Sein Tonfall verriet, dass es keineswegs ‚Scheiße‘ war, sondern nur zu wahr.
„Wer redet Scheiße, Axel?“
Axel konnte der Versuchung sichtlich kaum widerstehen, sich zur Tür umzudrehen, von der die Stimme gekommen war, wie die eines Schutzengels. Und die Gestalt, die dort in der Tür stand, kam mir im ersten Moment tatsächlich wie ein solcher vor. Irgendwie wirkte ihre Anwesenheit irreal – fast schon wie ein Traum, eine letzte Vision, die der Kopf einem vorgaukelt, um den Moment des Todes etwas angenehmer zu gestalten.
„Pino“, murmelte Axel mit zusammengebissenen Zähnen. Er wandte ihm immer noch den Rücken zu und zielte mit der Waffe auf mich. „Was tust du hier? Warum verrätst du die GRA und stellst dich auf die Seite unserer Gegner? Du kennst die Konsequenzen.“
„Axel, warum bist du nur so naiv?“, lachte Pino. „Glaubst du wirklich, ich hätte die GRA verraten? Glaubst du der Boss würde sich nur auf dich verlassen? Du warst nur – sagen wir –
der Jagdhund, der dem Jäger – mir – die Beute in die Arme treibt. Ich sollte ihr Vertrauen gewinnen und herausfinden, wo sie es versteckt – und sie dann ohne Spuren beseitigen. Ich habe die ganze Zeit auf Anweisung des Bosses gehandelt. Und da ich der guten Sara im Hotel sehr nahe war, konnte ich auch den ersten Part meiner Aufgabe erfüllen. Ich weiß, wo du es hast, Saralein.“ Er grinste hämisch.
Ich sah ihn entsetzt an. „Das ist nicht wahr“, flüsterte ich mit Tränen in den Augen. „Ich dachte… Ich hab gedacht, du wärst auf meiner Seite!“
„Das war Sinn der Sache, meine Liebe. Ich habe dir vorgemacht, dein Retter in der Not zu sein. Ich wollte mir dein Vertrauen erschleichen, um dir das Messer in den Rücken rammen zu können. Wie es aussieht, ist mir das wunderbar gelungen. Du solltest dein Gesicht sehen, als hättest du einen Geist gesehen.“ Er lachte sein plötzlich gar nicht mehr angenehmes Lachen. Dann wurde seine Mine plötzlich todernst. „Und jetzt, da der erste Teil meiner Mission erfüllt ist, wird es Zeit, es zu beenden.“
Er hob die Waffe, die er in der Hand hielt und die ich bis jetzt nicht einmal bemerkt hatte. Er richtete sie auf mich. Ich sah ihn durch den Tränenschleier vor meinen Augen jetzt nur noch als verschwommenen Schemen. Es war eine Sache, zu sterben. Eine ganz andere war es, von jemandem umgebracht zu werden, den man für seinen Freund gehalten hatte und vertraute.
Dann knallte der Schuss.

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Nala

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Phantarch
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ich war schon wieder kurz vorm heulen das ist richtig mitreißend geschrieben und weiter lesen möchte man erstrecht. Very Happy

Rahena

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Phantarch
Phantarch
Danke. Dann kommt jetzt fürs erste der letzte Part.

26
12. März, 15:17 Uhr

Ich sollte ihr Vertrauen gewinnen… Ich habe auf Anweisung des Bosses gehandelt… Ich habe dir vorgemacht… Es wird Zeit, es zu beenden… Glaubst du, ich hätte die GRA verraten?
Pinos Worte hallten in einer Endlosschleife in meinem Kopf nach, während ich auf den Schmerz und den Tod wartete. Eine Kugel konnte nur Bruchteile von Sekunden brauchen, um aus dem Lauf der Waffe in meine Brust zu gelangen und doch kam es mir vor, als wären schon Minuten vergangen. Ich hörte Stefan und Jonas neben mir erschrocken aufschreien, dann fiel etwas mit einem dumpfen Laut zu Boden.
Als ich nach einer weiteren gefühlten Minute nichts spürte, öffnete ich langsam die Augen. Ich war ein wenig überrascht, als es ging. Das erste, was ich sah, war Pino, der mit Schrecken in den Augen immer noch an seinem Platz in der Tür stand. Dann sah ich die rauchende Waffe in seiner Hand – deren Lauf nicht auf mich deutete. Ich folgte mit dem Augen der gedachten Flugbahn der Kugel, dann sah ich den Körper am Boden liegen. Das Blut breitete sich schnell über den Teppich aus.
„Ich habe die GRA nicht verraten, Axel“, erklärte Pino dem am Boden liegenden Körper mit leiser, ruhiger Stimme. „Nicht bis eben. Wir sind dem falschen Weg gefolgt, alter Freund. Es war zu spät für dich, das zu erkennen. Es war an der Zeit, deine Fehltritte zu beenden.“
Ich konnte nichts sagen. Ich war zu erschrocken über das, was Pino gerade getan hatte. Nein, eigentlich hatte ich noch gar nicht begriffen, was er getan hatte. Nach einiger Zeit fand ich meine Sprache wieder. „Was…?“, stammelte ich. „Warum…?“
„Wie ich es gerade gesagt habe“, erklärte Pino. „Es stimmt, ich gehöre zur GRA – oder gehörte. Ich bekam die Aufgabe, dein Vertrauen zu erschleichen und dich sozusagen auszuspionieren. Wir – beziehungsweise die GRA – sind auf der Suche nach etwas, das du besitzt und sie wollen.“
Ich sah ihn fragend an. „Was meinst du?“
„Etwas, das deine Mutter uns gestohlen und dir geschenkt hat. Das haben wir erst herausgefunden, nachdem Axel sie umgebracht hat.“
Ich sah an mir herab. Mein Blick blieb an der Kette hängen.
„Genau“, nickte Pino. „Die Kette, die dir deine Mutter geschenkt hat, ist alles andere als eine gewöhnliche Kette. In ihr ist etwas verborgen, für das die GRA ohne mit der Wimper zu zucken mordet.“
„Und… und du…“, stotterte ich. „Was ist deine Rolle in dem ganzen?“
„Ich bin der Typ, der irrtümlich auf der falschen Seite steht und der von der schönen Frau auf den richtigen Weg geführt wird. Ich bin schon früh in die GRA hineingeraten. Ich glaube ich war dreizehn oder so. Damals fand ich das alles unglaublich cool. Axel war mein Mentor, fast so etwas wie mein Bruder. Er hat mir alles beigebracht, was er wusste, und ich bin schnell aufgestiegen. Ich habe mich gut gemacht, schon bald stand ich über ihm. Irgendwann verschwand dieses Gefühl, etwas außergewöhnliches, etwas cooles zu tun. Es wurde zu einer Art Alltäglichkeit. Ich tat einfach das, was ich jeden Tag tat, dachte nicht darüber nach, ob es gut oder schlecht war, richtig oder falsch. Doch dann kamst du. Obwohl ich es schnell weit gebracht habe, warst du meine erste eigene Mission, die ich ganz alleine erfüllen sollte – naja, abgesehen von der Unterstützung eines Mannes, der nicht einmal wusste, dass er nur dazu da sein sollte, dich mir in die Hände zu spielen und mich dein Vertrauen erlangen zu lassen. Zuerst lief alles perfekt nach Plan, doch dann erzähltest du mir von dir und von deinen Ängsten und Wünschen. Und dann erkannte ich, was ich eigentlich all die Jahre getan hatte. Obwohl ich nie einen Menschen ermordet habe, wie so viele andere meiner Organisation, war ich doch oft daran beteiligt, Menschen das Leben schwer zu machen oder es sogar zu beenden. Als ich dich kennengelernt habe, hab ich erstmals bemerkt, dass meine Missionen sich nicht um Dinge drehten, sondern um Menschen – echte, lebende Wesen mit Gefühlen, Wesen wie mich selbst! Ich merkte, dass ich mein Leben lang einen Fehler nach dem anderen begangen hatte und schwor mir, das wieder gut zu machen, indem ich dich beschützte. Ich wollte Axel nicht erschießen, immerhin ist er mein Freund gewesen. Doch ich sah keinen Ausweg. Ich hätte ihm nicht einfach beibringen können, was ich durch dich gelernt hatte. Und da er bereits seine Waffe auf dich gerichtet hatte… Ich sah die einzige Möglichkeit, dir zu helfen darin, nach GRA-Methoden zu handeln und ihm in den Rücken zu fallen, nachdem ich vorgetäuscht hatte, dass er mir vertrauen kann.“
„Aber es hat nichts gebracht“, fuhr ich auf. „Es werden immer andere kommen. Wenn ihnen diese Kette so wichtig ist, dann werden sie nicht aufgeben, nur weil Axel tot ist. Warum ge-ben wir sie ihnen nicht einfach?“
„Sie würden dich so oder so umbringen, du weißt von ihrer Existenz und von der Kette. Und wir können sie ihnen nicht geben! Ich weiß nicht, warum sie so wichtig ist, aber ich bin mir sicher, dass sie dadurch noch mächtiger werden. Wir müssen herausfinden, was sie damit anfangen wollen und verhindern, dass sie das jemals können werden.“

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Nala

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richtig toll geschrieben .man will weiter lesen aber ich warte bis es weiter geht. ich hab gedult

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Rahena, ich habe mir zu Weihnachten deine Geschichte ausgedruckt und feierlich unter'n Baum gelegt ^^

Wann kommt denn mehr? Wink

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Ui, da hab ich dir ein Weihnachtsgeschenk gemacht, oder wie? xD

Ich weiß leider noch nicht, wann es weiter geht Sad Mir fehlen noch son bisschen Ideen, es steht bisher nur das Grundgerüst. In der Zwischenzeit hab ich noch genug andere Geschichten, an denen ich weiterschreibe. Vielleicht vertreibe ich euch ja die Wartezeit, indem ich eine andere Geschichte hier reinstelle... Genau, das mache ich! was darfs denn sein? Ihr entscheidet!

- eine FanFiktion zu Kingdom Hearts UND den Wise Guys (sogar fertig!)
- eine FanFiktion zum Musical Rockville (siehe meine Umfrage "Wie soll meine neue FanFiction heißen?")
- eine Fantasygeschichte (die ebenfalls fertig ist, also kaum Wartezeit für euch Wink )
- eine Fantasyromanze (die wahrscheinlich niemals fertig sein wird, weil ich seit Monaten überhaupt keine Idee mehr hab)
- und dann hab ich noch zwei andere fantasyromanzen, die aber beide gradmal 3-4 Seiten haben -> lohnt sich also kaum...

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ich bin für die fantasygeschichte die fertig ist. ich steh auf fantasy

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*überleg* ...
Kommen in der Fatasy Geschichte Vampire oder Werwölfe vor?

Wenn nein, dann würde ich auch für die stimmen. Razz

Hab' im Moment genug vom Twilight Gedönz ...
@Nala, wir haben schließlich schon am Geburtstag Twilight gekuckt, aufjeden fall die, die noch wach waren Laughing also du nicht X D

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Hehe! Nein, weder Werwölfe noch Vampire ^^ Dafür Orks und geflügelte Pferde und Magie und so Wink
Dann machen wir mal erstmal mit der weiter. Der Anfang ist sogar schon länger hier im Forum. Den könnt ihr euch ja schonmal durchlesen & kommentieren und dann kommt bald Kapitel 2 Wink

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das ist cool, mal was anderes. ich freu mich drauf. ich mach mich au noch dran und schreib weiter.


@ Libbi nicht alle Vampir Bücher sind so schlecht wie die biss Bücher.

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Nala schrieb:@ Libbi nicht alle Vampir Bücher sind so schlecht wie die biss Bücher.
Naja, aber Twilight verdirt mir echt die Lust nocheinmal eins in die Hand zu nehmen.

@Rahena!
Nala, Nami und ich hatten letztens ein Musikprojekt zusammen gehabt. Wir hatten eine vorgegebene Musik und sollten dazu einen Film zusammenbasteln. Wir haben deinen Roman als Story benutzt. Den Film konnte die Lehrerin nicht sehen, da irgendwie alle PCs außer meinen ihn nicht abspielen Shocked , aber die waar so von der Geschichte begeistert, dass wir eine 1 bekommen haben. Du solltest dir echt einen Verlag suchen! ^^

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Im ERNST?????? Ach du.... OMG!!! Äh.... bin grad total geflasht und sprachlos xD

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Zuerst dachten wir, wir hätten eine 5, weil der Film nicht funktioniert hat!

Falls das Buch wirklich rauskommt, schick mir bitte'ne PN Razz

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PN? Halloooooo? Da mach ich hier ein Thema auf! Oder eine PN an alle... Das sollen alle wissen! xD

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Ich würde dir bei deiner Werbekampange aufjedenfall helfen (Flyer ftw). Und 2 Käufer hast du auf jedenfall schonmal: Nala & mich. freunde

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jab ich würde es auf jeden fall kaufen. ich musste wegen musik das ende bisschen verändern weil ich das von dir noch nit kannnte. wende dich wirklich mal an einen verlag das wär so geil dann könnten wir behaupten wir haben dir geholfen deine geschichte zu verbessern auch wenn es nichts zu verbessern gab. =) freunde Very Happy Smile Wink

Rahena

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Ich seid echt klasse! Hab euch lieb freunde

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wir dich auch Very Happy Smile Wink freunde

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